Patenschaft zwischen der Stadt Weiden und dem Heimatkreis Tachau (Böhmen)

Seit 1956 verbindet die Stadt Weiden in der Oberpfalz eine tiefe und symbolische Patenschaft mit dem ehemaligen Heimatkreis Tachau im südlichen Egerland (Westböhmen).

Eine Verbindung mit Geschichte und Herz

Am 5. August 1956 wurde die Patenschaft offiziell geschlossen. Mit diesem Schritt sagte Weiden den vertriebenen Menschen aus Tachau: „Ihr seid bei uns willkommen – hier könnt ihr eure neue Heimat finden.“

Die Patenschaft war nicht nur ein symbolisches Versprechen, sondern ein aktives Bekenntnis: Die Stadt Weiden schenkte den früheren Bewohnern von Tachau „eine seelische Heimstatt und die Möglichkeit der Pflege ihrer Traditionen“.

Das Tachauer Heimatmuseum: Seele der Patenschaft

Im Kulturzentrum Hans Bauer im Herzen Weidens befindet sich das Tachauer Heimatmuseum. Hier werden Leben, Kultur und Schicksal der Menschen aus dem ehemaligen Kreis Tachau lebendig: Von der Vertreibung nach 1945/46 über den Aufbau eines neuen Zuhauses bis hin zur Integration in die Weidener Gesellschaft.

Zentral sind die Themen „Heimat“, „Vertreibung“ und „Integration“, die in der Dauerausstellung auf eindrucksvolle Weise dargestellt werden. Das Museum archiviert zudem Trachten, Alltagsgegenstände, Dokumente und Foto­sammlungen – Zeugnisse einer reichen Volkskultur und tief verwurzelter Erinnerungen.

Vereinte Kräfte für Erinnerung und Bewahrung

Auf Initiative von Weidener Stadtvertreterinnen und Tachauer Landsleuten wurde 1957 ein Verein gegründet, der sich der Sammlung und Pflege alten Kulturguts widmete. Unter dem heutigen Namen Heimatkreisverein Tachau e.V. engagiert sich der Verein bis heute: Er organisiert Heimat­kreistreffen, gibt den „Heimatboten“ heraus und publiziert einen Heimatkalender. Das Museum wurde 2011 mit neuem Konzept und modernem Ausstellungslayout eingeweiht: Der Dachstuhl des historischen Gebäudes erhielt eine Galerie, neue Vitrinen wurden aufgebaut, und die Geschichte der Vertriebenen bekommt eine lebendige Präsentation.

Bedeutung der Patenschaft für Weiden

Für Weiden ist die Patenschaft weit mehr als eine formale Verpflichtung: Sie ist ein Zeichen menschlicher Solidarität, kulturellen Erbes und gemeinsamer Erinnerung. Durch das Engagement im Museum und im Verein wird die Geschichte des ehemaligen Tachauer Landkreises lebendig gehalten – nicht nur für die einst Vertriebene, sondern für die gesamte Stadtgesellschaft.

Die Patenschaft steht für die Verantwortung, Erinnerung aktiv zu bewahren – und für die Bereitschaft, eine „zweite Heimat“ zu bieten.

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